Forum Alte Musik Köln: Saison 2021/2022

WDR-Funkhaus Museum für Angewandte Kunst St. Ursula Trinitatiskirche

Abbildung Programm 2021/22
Das Programm für die nächste Spielzeit ist da!
Hier ist vorab der Flyer als PDF ...

Als der Engländer Charles Burney im Juni 1770 getrieben von seinem musikalischen Forscherdrang Richtung Italien aufbrach, nahm er den Weg über Paris, Lyon und Genf, auf dem sich neben den Handelsleuten auch die Kulturschaffenden schon seit Jahrhunderten zwischen den Metropolen Europas bewegten. Die Alternativ-Route Richtung Deutschland und Österreich bereiste Burney zwei Jahre später. Schon 1771 und 1772 erschienen seine beiden Tagebücher einer musikalischen Reise durch Frankreich und Italien bzw. durch Flandern, die Niederlande und am Rhein bis Wien mit ihren faszinierenden Einblicken in die damalige Musikwelt.

Genau 250 Jahre später blickt das Forum Alte Musik Köln zum Auftakt seiner Saison 2021/22 auf den ersten Teil von Burneys musikalischen Reisen zurück, gemeinsam mit dem Ensemble Les Voyageurs. Internationale Reiseerfahrungen haben selbstverständlich auch die Mitwirkenden in den folgenden sieben Konzerten der Spielzeit aufzuweisen, auch wenn sie sich in den zurückliegenden Monaten weniger frei zwischen den internationalen Musikzentren bewegen konnten als gewohnt. Der 350. Geburtstag von Tommaso Albinoni gibt dem Geiger Evgeny Sviridov und seiner Instrumentalformation Ludus Instrumentalis den Anlass, im Oktober den musikalischen Verbindungen zwischen Venedig und Sachsen kurz nach 1700 nachzugehen.

Mit künstlerischen Dialogen zwischen England und Italien im Madrigalrepertoire des 16. und frühen 17. Jahrhunderts kann das Schweizer Vokalensemble InVocare im November aufwarten, dafür sorgen schon die Werke von John Dowland in seinem Programm. Und Tasto Solo, das Spezialensemble für die Musik des Spätmittelalters um den Spanier Guillermo Pérez, schlägt im März neue Tabulaturseiten des berühmten Buxheimer Orgelbuchs auf, das im Süden Deutschlands schon im 15. Jahrhundert Musik aus Italien und England, den Niederlanden und Frankreich vereinte.

Auf die britische Insel begleiten die Kölner Sängerin Anna Herbst und ihr Instrumentalpartner Ulrich Wedemeier im April eine Gitarrenvirtuosin und Komponistin, die 1824 im heutigen Kölner Stadtteil Mülheim das Licht der Welt erblickte: Catharina Pratten. Einen historischen Köln-Bezug hat auch die Opern-Wiederentdeckung, die der Dirigent Werner Ehrhardt und sein Orchester l’arte del mondo im Februar gemeinsam mit vier Vokalsolistinnen und -solisten erstmals wieder seit der Premiere 1779 in unserer Stadt aufführen werden: Lindor und Ismene, ein frühes deutsches Singspiel des zeitweiligen Domkapellmeisters Joseph Aloys Schmittbaur.

Roland Wilson verspricht mit La Capella Ducale und Musica Fiata für Dezember nicht nur einen opulenten Beitrag zum Abschluss des Praetorius-Gedenkjahres 2021, sondern als Erstaufführung auch noch die Berliner Fassung der bekannten Dresdner Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz. Aus einem neuen Blickwinkel ist schließlich am Ende der Spielzeit im Mai noch ein wegweisendes Werk aus dem jungen 20. Jahrhundert zu erleben: die 4. Sinfonie von Gustav Mahler. Christoph Spering und sein Neues Orchester präsentieren sie in der bemerkenswerten Kammerfassung von Erwin Stein aus dem Jahr 1921.

Zwischen dem Spätmittelalter und der frühen Moderne bewegt sich also das Repertoire der acht Konzerte in der neuen Spielzeit des Forum Alte Musik Köln, die in ihrer Mehrheit im WDR-Funkhaus oder der Trinitatiskirche stattfinden werden. Alle sind sie selbstverständlich auch wieder im Kulturradio WDR 3 zu erleben.